Blutegeltherapie

Der Blutegel ist schon seit 1500 vor Christus für seine heilende Wirkung bekannt. Es ist eines der ältesten Heilverfahren in der Behandlung von Menschen.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Blutegelbehandlung so „in“, dass die Tiere vom Aussterben bedroht waren. Die Behandlungen wurden jedoch rückläufig, je weniger Egel verfügbar waren. Erst in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden die Blutegel wieder „neu entdeckt“ und finden unter anderen auch in der Schulmedizin Verwendung.

Kein Wunder, denn die „kleinen Helfer“ eignen sich wunderbar zur Behandlung von entzündlichen und schmerzhaften Prozessen rund um den Bewegungsapparat und das frei von Nebenwirkungen. Ein großer Vorteil ist, dass Organe, wie Leber, Niere und Herz nicht belastet werden. Deshalb ist die Therapie auch für ältere Tiere sehr gut geeignet.

Blutegel werden erfolgreich bei Arthrosen, Sehnenerkrankungen, Hämatomen, Phlegmonen, Hufrehe, Mauke und Entzündungen eingesetzt.

Es gibt ca. 3000 Arten von Blutegeln. Diese gehören zur Gruppe der Ringelwürmer und sind mit dem Regenwurm verwandt. In der Therapie wird der medizinische Blutegel, Hirudo medicinalis, eingesetzt. Er besitzt einen abgeflachten Körper, der bis zu 20 cm lang und 3 g schwer werden kann. An beiden Enden des Körpers befindet sich ein Saugnapf. Der hintere Saugnapf dient nur zum Festhalten. Am vorderen Saugnapf befindet sich der Mund mit den 3 Kieferleisten mit insgesamt 80 Kalkzähnchen die y- förmig zueinander stehen. Zwischen den Zähnchen befinden sich die Austrittspforten für den „wirkungsvollen“ Speichel.

Der Blutegel besitzt kein Gehirn. Es sind sehr soziale, hochsensible Tiere, die sehr empfindlich auf Umwelteinflüsse (Temperaturveränderungen, Wasserqualität...) reagieren. So vergeht ihnen sehr schnell der Appetit, wenn in ihrer Nähe geraucht wird, die Temperatur unter 5° C liegt, das Pferd spezielle Medikamente bekommt oder die zu behandelnde Stelle ein paar Tage vorher mit Fliegenspray oder Salben behandelt worden ist.

Vor der Behandlung wird die geplante Bissstelle rasiert und mit klarem Wasser gereinigt. Danach werden die Blutegel langsam auf das zu behandelnde Areal gesetzt. Der Blutegel saugt sich mit dem hinteren Saugnapf an, um mit dem vorderen eine passende Stelle zu finden. Diese gefunden, dockt er sich an und sägt mit seinen Zahnleisten die Haut durch. Während des Saugens sollten man die Tiere keinesfalls stören. Nach 30 - 60 Minuten ist der Blutegel, nachdem er sich mit ca. 30 ml Blut vollgesaugt hat, satt und lässt sich von alleine fallen. Danach blutet die Wunde in der Regel bis zu 12 Stunden weiter. Diese Blutung sollte nicht unterbrochen werden, denn es erhöht die Wirksamkeit der Therapie und hat eine entstauende Wirkung.

Die Blutegelbehandlung wirkt in zweierlei Hinsicht:

  1. Die therapeutische Wirkung des Speichels.
    Er enthält einen Wirkstoffcocktail, der während des Saugens in die Wunde injiziert wird. Dieser Speichel, auch Saliva genannt, enthält über 30 hoch wirksame Bestandteile. Die wichtigsten davon sind: Hirudin, Histamin, Calin, Hyaluronidase, Egline, Bdellin, Apyrase, Kollagenase und Destabilase. Alle anderen Substanzen runden die Wirkstoffkomposition ab.
    Die Saliva wirkt entzündungshemmend, stark blutverdünnend, gerinnungshemmend und hat eine antibiotische Wirkung. Zudem wirkt der Speichel schmerzlindernd, lymphstrombeschleunigend und besitzt bakterizide Eigenschaften.
  2. Der sehr sanfte kreislaufschonende Aderlass vor allem durch das Calin ausgelöst.

Der Blutegel saugt bis zu 30 ml Blut ab und während der Nachblutung verliert das Pferd mindestens die gleiche Menge.
Man rechnet mit einem Gesamtblutverlust von ca. 60 ml je Egel (Ausleitungstherapie).

 

Sind alle Egel abgefallen, werden die Wunden gereinigt und mit einem leichten Verband abgedeckt. Um die Wirkung zu verstärken, sollte das Pferd anschließend im Schritt noch ein wenig geführt werden.
In den nächsten 7 Tagen sollten körperliche Anstrengungen vermieden werden.

Die Blutegelbehandlung bewährt sich sehr gut bei:

  • Arthrose
  • Sehnenentzündung (Tendinitis), Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis)
  • Muskelverspannungen, Myogelosen, Myopathien, Kreuzverschlag
  • Wirbelsäulenerkrankung (Kissing spines)
  • Satteldruck
  • Fesselträgerentzündungen
  • Schleimbeutelentzündung (Bursitis)
  • akute Rehe
  • schlecht heilende Wunden (Phlegmone)
  • Prellung
  • Hämatom ( Bluterguss )
  • Arthritis
  • Spat
  • Omarthrose (Schultergelenkserkrankung)
  • Podotrochlose (Hufrollenerkrankung)
  • Gonarthrose (Kniegelenk)
  • Schale
  • Abszesse
  • Patellaluxation
  • wiederkehrende Augenentzündung
  • Gelenkgallen
  • Otitis

Eine Behandlung mit Blutegeln darf nicht durchgeführt werden, wenn

  • eine Blutgerinnungsstörung vorliegt
  • eine starke Blutarmut vorliegt
  • allergische Reaktionen auf die Wirkstoffe des Blutegels bekannt sind
  • eine Immunsuppression vorliegt
  • gleichzeitig quecksilberhaltige Medikamente verabreicht werden

Vorsicht ist geboten bei:

  • trächtigen Tieren
  • während der Säugezeit
  • leichter Blutarmut
  • ASS- Gabe
  • schlechter Konstitution
  • Abwehrschwäche
  • Problemen mit der Narbenbildung (Keloidneigung)

Mögliche Nebenwirkungen oder Reaktionen auf die Behandlung:

  • Schwellung im Bereich der Bissstelle
  • Juckreiz im Bereich der Bissstelle
  • Selten: allergische Reaktion auf die Saliva
  • Abgeschlagenheit
  • Sehr selten: (<1/10000) Sekundärinfektion
  • Narbenbildung
  • Blutergüsse
  • Verstärkte, oder lang anhaltende Nachblutung (> 12 Stunden)

Bei sachgerechter Durchführung treten sehr selten schwere Nebenwirkungen auf.

Wichtig: 

Die Blutegeltherapie erfordert einen erfahrenen Therapeuten!